Balance ist eines dieser Worte, die ständig benutzt und selten wirklich erklärt oder verstanden werden. Viele denken an innere Balance und innere Ruhe. Für andere steckt dahinter Work-Life-Balance. Wieder andere an Gleichgewicht. In diesem Beitrag widme ich mich ganzheitlich dem Thema Balance und gebe dir Impulse, wie du durch Körperwahrnehmung, Propriozeption und einfache Übungen mehr innere Ruhe und Gleichgewicht im Alltag findest.
Für mich beginnt Balance ganz unten bei den Füßen auf dem Boden. Nicht ohne Grund heißt es: Haltung beginnt bei den Füßen. Ein Grund, warum ich Barfußschuhe liebe (darüber schreibe ich hier).
Balance selbst bedeutet so viel wie Gleichgewicht oder Stabilität. Balance ist also nichts Abstraktes. Sie zeigt sich im Körper, im Alltag und in der Art, wie wir zwischen Anspannung und Entspannung wechseln.
Wenn wir über Balance sprechen, wir meist zuerst ans Gleichgewicht: nicht stolpern, nicht kippen, stabil stehen. Und ja, all das gehört dazu. Bei der Arbeit mit den Pferden beispielsweise ist Balance mein Kernthema, denn beim von mir entwickelten Sensomotorischen Pferdetraining geht es vor allem darum, dass sich ein Pferd ausbalanciert und damit gesunderhaltend unter dem Reiter bewegen kann.
Aber Balance ist mehr und begegnet uns nicht nur auf körperlicher Ebene und beim Gehen über unebenen Boden, sondern ebenso im Alltag, beispielsweise beim Umgang mit Stress oder beim Wechsel zwischen Aktivität und Pause.
Aber lass uns ganz vorne beginnen.
Balance vs. Gleichgewicht: das ist der Unterschied
Gleichgewicht ist eins unserer Sinnesysteme. Unser Gleichgewichtsorgan sitzt im Innenohr und es und hilft uns, adäquat auf Gleichgewichtsreize wie Schwerkraft und Beschleunigung zu reagieren. Kannst du stabil stehen, gehen, reagieren, ohne umzufallen? Dann kannst du das dank deines Gleichgewichtssinns.
Balance geht weiter. Balance beschreibt die Fähigkeit, ständig auszugleichen, wenn etwas aus dem Lot gerät.
Balancefähigkeit ist eine koordinative Fähigkeit. Koordination, also das Zusammenspiel von Muskulatur, Nervensystem und Gehirn, wird unterteilt in verschiedene koordinative Fähigkeiten wie Rhythmisierungsfähigkeit, Umstellungsfähigkeit, Reaktionsfähigkeit und eben auch Balancefähigkeit.
Merke: Was ist der Unterschied zwischen Balance und Gleichgewicht? Während Gleichgewicht ein physisches Sinnessystem ist, beschreibt Balance die aktive Fähigkeit, auf äußere und innere Reize flexibel zu reagieren.
Über das Nervensystem nimmt unser Körper eine Dysbalance wahr und sorgt daraufhin dafür, dass der Körper adäquat auf diese Dysbalance reagiert, indem Muskeln aktiviert werden, um Balance und Stabilität zu wahren. Dies geschieht zum größten Teil unbewusst. Und nicht nur das: Den Körper in Balance halten stellt eine Hauptaufgabe des Gehirns dar und die meisten Befehle, die es versendet, dienen der Aufrechterhaltung und Wiederherstellung von Balance und Gleichgewicht.
Darüber schreibe ich auch ausführlich in meinem Buch Sensomotorisches Pferdetraining*.
Und das bedeutet:
Balance ist kein Zustand, den man erreicht. Balance ist ein Prozess, der sich immer wieder neu einstellt.
Um diesen Prozess aktiv und bewusst zu erleben, kann ich dir das Training mit einem Balance Board ans Herz legen. Mit meinem Pferd mache ich diese Art des Trainings schon seit vielen Jahren mit der Pferdewippe. Ein Balance Board für Menschen funktioniert ganz ähnlich. Es stärkt die für die Balance zuständige Tiefenmuskulatur und trägt dadurch nicht nur zu einer besseren Balance bei, sondern auch zu einem stabileren Rumpf. Probier es aus, ich kann es dir von Herzen sehr empfehlen!
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Propriozeption: So trainierst du deine Körperwahrnehmung
Nicht nur der Gleichgewichtssinn spielt eine wichtige Rolle im Zusammenhang mit Balance, sondern auch die Propriozeption. Auch hierbei handelt es sich um eines deiner Sinnessysteme. Es nimmt Reize wie Muskelspannung und Muskellänge aus dem inneren deines Körpers wahr und dank dieser Informationen weiß dein Körper
- wie deine Gelenke sind (gestreckt, gebeugt)
- wie angespannt deine Muskeln sind
- wie sich dein Körper im Raum bewegt.
Das ist dir zu abstrakt? Dann schließ gern einmal die Augen und mach einen Körperscan. Du weißt ohne hinzuschauen, in welchem Winkel sich deine Fußgelenke und Knie befinden, du spürst angespannte Muskeln, du weißt, ob du liegst oder dich in einer aufrechten Position befindest usw. Und für alle das brauchst du keinen Spiegel. Dein Körper weiß es einfach aufgrund der propriozeptive Reize aus dem Körperinneren, die wahrgenommen und vom Gehirn verarbeitet werden.
Diese Fähigkeit ist die Grundlage für Koordination und damit auch für körperliches Gleichgewicht sowie eine sichere und flüssige Bewegung.
Und Propriozeption lässt sich ganz wunderbar im Alltag trainieren – unter anderem eben mit einem Balance Board, durchs Barfußlaufen u.ä.
Lesetipp: Unsere Sinne: Warum Wahrnehmung die Grundlage von Orientierung, Sicherheit und innerer Ruhe ist
Stress abbauen: Warum Stress deine Balance stört
Nun habe ich dir viel über Balance, Balancefähigkeit und unsere Sinne erzählt aber noch nichts über die innere Balance und die Frage, warum wir bei Stress unsere Balance verlieren.
Die Antwort ist ganz einfach, wenn du weißt, dass Balance ein adäquater Wechsel ist zwischen Anspannung und Entspannung.
Hast du Stress – in welcher Form auch immer – reagiert dein Körper mit Anspannung. Dies passiert ganz automatisch durch die Aktivierung des sympathischen Nervensystems. Wenn wir unter Dauerstrom stehen, schüttet unser Körper vermehrt Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin aus. Das hat direkte Folgen für deine Wahrnehmung:
- Tunnelblick statt Weitblick: Stress fokussiert unsere Aufmerksamkeit extrem und wir verlieren den Kontakt zu unserem Körper.
- Muskuläre Verspannung: Ein gestresster Körper ist starr. Doch Balance braucht Flexibilität.
- Flache Atmung: Stress lässt uns flach in die Brust atmen. Dadurch verlagert sich dein Schwerpunkt nach oben – du wirst buchstäblich „kopflastig“ und verlierst die Erdung über deine Füße.
Dein Gehirn strebt immer nach Sicherheit und ein ausbalancierter Körper ist sicher. Geht diese Balance aber verloren, geht auch die vermeintliche Sicherheit verloren. Körper und Geist bedingen sich gegenseitig und bist du körperlich nicht ausbalanciert, bist du auch so eher ängstlich und unsicher und umgekehrt fehlt dir die körperliche Balance, wenn es dir innerlich nicht gut geht und du Stress hast.
Als Ergebnis fehlender Balance kann es sein,
- dass du mehr stolperst,
- dass du mehr Verspannungen und spannungsbedingte Kopfschmerzen hast,
- dass du eher flach atmest,
- dass du innerlich unruhig bist, uvm.
Um die innere Balance zu finden, ist es wichtig, Stress zu reduzieren.
Das klingt leicht, ist aber wahnsinnig schwer, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.
Mein Tipp für den Alltag: Wenn du merkst, dass du innerlich wackelst, atme dreimal tief in den Bauch und spüre bewusst deine Fußsohlen auf dem Boden. Erst wenn das Nervensystem signalisiert „Ich bin sicher“, kann dein Körper wieder in die Balance finden.
Balance im Alltag finden: 4 Tipps für mehr Gelassenheit
Viele suchen nach innerer Balance – und zwar so, als wäre sie ein Ziel. Und ganz ehrlich: Auch ich habe lange Zeit danach gestrebt. Eigentlich so lange, bis ich durch meine Arbeit mit 360° Pferd verstanden habe, was Balance ist.
Aber nur weil ich verstanden habe, was Balance ist, heißt es nicht, dass ich total ruhig und ausgeglichen bin. Auf keinen Fall. Aber ich habe verstanden, was dazu gehört: Balance entsteht im Wahrnehmen und Gegensteuern.
- Mal bin ich zu aktiv – dann brauche ich Pause.
- Mal bin ich zu passiv – dann muss ich den Arsch hochkriegen und mich motivieren ins Tun zu kommen.
Beides ist nicht immer leicht.
Für mich bedeutet es auch, den Stress zu reduzieren. Ich bin nämlich eher der Typ „zu aktiv“. Stress entsteht auch vielen verschiedenen Ebenen, körperlich, emotional und mental.
Stressoren identifizieren
Mir hat es geholfen, mich sehr bewusst mit meinen Stressoren auseinanderzusetzen. Das habe ich aber auch erst an einem Punkt verstanden und umgesetzt, an dem ich einfach nicht mehr konnte. Ich habe mich dann hingesetzt und angefangen aufzuschreiben, was mich stresst und belastet und warum es das tut. Einmal angefangen kam immer mehr hinzu.
Im zweiten Schritt habe ich überlegt, wie ich die Stressoren aus meinem Leben bekomme, was dafür anders sein muss. Ein Beispiel: Ich habe meine Selbstständigkeit aufgegeben und mich wieder anstellen lassen, weil ich mich die finanzielle Unsicherheit zu sehr gestresst hat. Ein anderes Beispiel: Wir haben seit Sommer 2024 einen Essensplan, um den Stress mit der täglichen Frage „Was wollen wir heute essen“ zu reduzieren (hier schreibe ich darüber, inkl. Bauanleitung).
Und auch in Bezug auf Wohnsituation und Raumgestaltung identifiziere ich meine Stressoren und versuche sie zu reduzieren – oder meinen Umgang damit zu ändern. Darüber schreibe ich in meinen Texten Innere Ruhe durch äußere Einfachheit: So können Räume unser Nervensystem beeinflussen und Mein Zuhause spiegelt mein inneres Chaos: Wo ich ansetze und wie ich Ordnung finde

Was mir konkret hilft, um meine Balance im Alltag wiederzufinden
- Bewegung, wenn ich festhänge. Bedeutet für mich: Ich zwinge mich mit dem Hund rauszugehen, mache Stalldienst und/oder Gartenarbeit oder ich fange an zu staubsaugen. Staubsaugen ist magisch, wirklich! 😉
- Pause, wenn ich überdrehe. Pausen machen musste ich mühsam lernen, nachdem ich mir jahrelang keine Pausen „gegönnt“ habe. Mit Buch aufs Sofa legen, Musik oder Podcast hören, entspannt Tee oder Kaffee trinken hilft mir mittlerweile wahnsinnig gut dabei „runterzukommen“.
- Struktur, wenn alles zerfasert. Meine Struktur ist mein Bullet Journal. Ich schreibe auf, mach Listen und Brainstormings und ordne mir, was im Kopf unordentlich ist. Oder ich räume auf oder greif zum Staubsauger (du siehst, mein Lieblingshack).
- Offenheit, wenn ich zu kontrolliert bin. Gespräche mit meinem Mann und meiner Freundin helfen mir wahnsinnig gut, andere Perspektiven einzunehmen und Kontrolle abzugeben. Kontrolle gibt vermeintlich Sicherheit. Vermeintlich. Eigentlich macht sie aber unflexibel und fest und ist damit das Gegenteil von Balance.
Balance ist Yin und Yang
Wir in der westlichen Welt sprechen von Balance. In anderen Kulturen wird von Yin und Yang gesprochen. Du kennst dieses schwarz-weiße Zeichen sicherlich. Yin und Yan beschreiben genau diesen Ausgleich:
- Yin: Ruhe, Regeneration, Empfangen
- Yang: Aktivität, Handlung, Gestalten
Zu viel Yang → Erschöpfung; zu viel Yin → Trägheit.
Balance entsteht dazwischen.
Im Alltag heißt das nicht „entweder oder“, sondern bewusst wechseln.
3 effektive Balance-Übungen für zwischendurch
1. Gleichgewicht trainieren
Stell dich auf ein Bein und halte deinen Blick ruhig. Lass deinen Atem entspannt fließen und bleib in dieser Haltung für 30–60 Sekunden. Dann wechselst du das Bein. Wenn das gut klappt, kannst du auch die Augen schließen oder/und die Übung auf einem instabilen Untergrund (Balance Pad, Turnmatte (fürs Pferdetraining empfehle ich ausnahmslos Plufsig von Ikea)) durchführen.
2. Propriozeption schulen
Geh Barfuß auf unterschiedlichen Untergründen oder versuch durch deine Schuhe bewusst wahrzunehmen, was du unter dir spürst – am besten geht das im Wald und auf Feldwegen und noch besser geht das mit Barfußschuhen. Spür hin, wie sich Gras, Stein, Asphalt, Kiesel oder Waldwege unter deinen Fußen anfühlen und spür hin, wie dein Körper auf die unterschiedlichen Untergründe reagiert.
3. Innere Balance stärken
Mach nach einer Aktivität einfach bewusst nichts. Nur Pause. Kein Handy. Kein Input. Einfach sitzen und ruhen und dabei tief und bewusst in den Bauch atmen. Durch die Bauchatmung wird der Parasympathikus aktiviert und weil Parasympathikus und Sympathikus nicht gleichzeitig on fire sein können, entspannst du automatisch. Ich selbst habe es durch viel, viel viel Atemübungen auf dem Pferderücken geschafft, meine Angst „in den Griff“ zu bekommen. Nach verschiedenen Unfällen bin ich ein extrem ängstlicher Reiter geworden…
Und darüber hinaus noch einmal der Hinweis auf das Balance Board, das wirklich großartig ist!
- 🏆 HANDGEFERTIGT IN DEUTSCHLAND – ECHTE QUALITÄT AUS EICHE: Jedes Favvity Balance Board wird in deutscher Manufakturarbeit aus FSC-zertifiziertem Eichenholz gefertigt. Hochwertig geschliffen, geölt und poliert für eine glatte, langlebige Oberfläche mit natürlicher Maserung.
- 💪 GANZKÖRPER-TRAINING FÜR CORE & BALANCE: Verbessere Haltung, Stabilität und Koordination – ob beim Home-Workout, Steharbeitsplatz oder Physiotraining. Aktiviert Füße, Beine, Rumpf und Tiefenmuskulatur – effektives Training ohne Geräte.
- ⚖️ ZWEI VARIANTEN FÜR JEDES LEVEL: Wähle zwischen dem Modell „Core“ (2,33 kg) für sicheres, kontrolliertes Training oder „Flow“ (1,97 kg) für mehr Dynamik und Flexibilität. Ideal für Einsteiger und Fortgeschrittene.
- 📱 INKL. LEBENSLANGEM ZUGANG ZUR TRAININGS-APP: Kostenloser Zugang zu professionellen Balance- & Core-Übungen, entwickelt mit Physiotherapeuten. Perfekt abgestimmt auf dein Favvity Board – mit Trainingsplänen, Challenges & Video-Anleitungen.
- 🌿 DESIGN TRIFFT NACHHALTIGKEIT: Minimalistisches Design – ein Statement in jedem Raum. Das Board (80 × 30 × 1,9 cm) mit passender Korkrolle (40 × 10 cm) kombiniert Stil, Funktion und Umweltbewusstsein – für bewusste Bewegung im Alltag.
Fazit: Balance ist nichts Abstraktes
Balance ist spürbar. Im Stand. Beim Gehen. Im Umgang mit dir selbst.
Und genau deshalb beginnt sie nicht im Kopf, sondern im Körper – und wirkt von dort in unser Leben.
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