Natur, Achtsamkeit, Fotografie: Warum das zusammenpasst (und wie du es übst)

Ich fotografiere gern draußen, sei es im Garten, auf dem Hof oder wenn ich mit dem Hund unterwegs bin in den Feldern oder im Wald. Und irgendwann ist mir aufgefallen: Meine besten Bilder entstehen, wenn ich im Moment bin, wirklich hinschaue und wahrnehme. Achtsamkeit und Fotografie sind für mich deshalb ein gutes Team und in diesem Beitrag gebe ich dir ein paar Gedanken dazu mit sowie 3 konkrete Fotoübungen für bessere Bilder am Ende des Beitrags. Und ganz wichtig: Dein Smartphone reicht völlig aus, um dein Nervensystem herunterzufahren.

Natur ist nicht dafür gemacht, schnell konsumiert zu werden. Wenn ich durch den Garten gehe und nur zack zack fotografiere und dokumentiere – was ich übrigens super gern mache, um zu sehen, was sich über die Tage, Wochen, Monate und Jahre verändert hat – sehe ich zwar viel, nehme aber wenig wahr. Das bewusste Wahrnehmen passiert dann erst beim Betrachten der Bilder.

Wenn ich aber langsamer werde und mich bewusst fokussiere, passiert das Gegenteil: Ich sehe weniger Motive, aber die dafür genauer und viel detailreicher. Und das sind dann meistens die Bilder, die ich sehr gern mag.

Dieses bewusste Wahrnehmen ist das, was gemeinhin mit Achtsamkeit verbunden wird. Und bevor wir über achtsame Fotografie oder achtsame Naturfotografie sprechen, sollten wir klären, was mit Achtsamkeit gemeint ist.

Meine Definition von Achtsamkeit

Achtsamkeit war für mich sehr lange ein Reizthema. Es wurde so gehyped auf Instagram und Co. Plötzlich waren alle so wahnsinnig achtsam, dass ich alles andere als achtsam sein wollte. Einfach, weil es mich wahnsinnig genervt hat. Wirklich.

Aber am Ende musste ich einsehen: Auch ich brauche Achtsamkeit. Und auch ich will Achtsamkeit in meinem Leben. Und zwar aus dem einzigen Grund, weil es mir dann besser geht. (Die Erkenntnis hat sehr lange gebraucht. Als sie aber da war musste ich mir eingestehen, dass ich im Grunde selbst zumindest in einigen Bereichen schon lange sehr achtsam unterwegs bin – vor allem bei den Pferden. Ich hab es nur nie so genannt, es war für mich „normales, wertschätzendes Verhalten„.

Achtsamkeit heißt für mich: Ich nehme bewusst wahr, was gerade da ist – in mir, um mich herum und bei den Lebewesen, die mich umgeben.

Gerade draußen in der Natur merke ich schnell, wie groß der Unterschied zwischen „ich bin draußen“ und „ich sehe wirklich was“ ist. Bin ich bewusst da, sehe ich, wie das Licht auf den Boden fällt. Ich spüre den Wind und ich höre unterschiedlichste Vögel im Hintergrund zwitschern.

Und genauso nehme ich mein Inneres wahr: Wenn ich bewusst im Moment bin, werde ich langsam ruhiger und atme tiefer. Dieses bewusste Wahrnehmen ist meist der Punkt, an dem ich aus dem Autopiloten rauskomme und mein Stresslevel sinken kann.

Achtsamkeit ist dieser kleine Abstand zwischen Reiz und Reaktion, in dem ich entscheiden kann: Laufe ich weiter wie gewohnt – oder werde ich kurz langsamer und bin wirklich da.

Achtsamkeit und Naturfotografie matchen auf verschiedenen Ebenen

Achtsamkeit heißt also nicht, dass du meditierend im Moos sitzt (kannst du, musst du nicht). Für mich heißt es eher: Ich bleibe einen Moment länger stehen, nehme bewusst wahr, was ich sehe und achte auf Details. Dann erst fotografiere ich. Ich schaue also zuerst ohne Bildschirm und entscheide: Lohnt sich das Foto wirklich? Was ist hier so besonders, dass ich es festhalten möchte? Was berührt mich?

Wenn du oft das Gefühl hast:

  • Ich bin draußen, aber mein Kopf rennt weiter,…
  • meine Bilder werden irgendwie nicht so, wie ich es sehe,…
  • ich hab tausend Fotos und finde keins richtig gut, …

…dann ist das genau dein Ansatz. Achtsamkeit ist einfach eine Methode, damit du weniger rumeierst.

Wenn ich achtsam durch den Garten oder über den Hof gehe, sehe ich andere Dinge. Nicht das große Ganze zuerst, sondern das Kleine am Rand. Abgeblätterte Farbe am Holz. Tau auf einem Blatt. Ein Schatten, der nur für ein paar Minuten genau so fällt.

Fotografie wird dann nicht zum Sammeln von Motiven, sondern zum Verlängern des Moments. Ich bleibe stehen, schaue länger hin, atme ruhiger.

Langsamkeit ist dabei kein Stilmittel, sondern Voraussetzung. Die Natur ist nicht laut. Sie drängt sich nicht auf. Wer sie fotografieren will, ohne sie zu übergehen, muss sich an ihr Tempo anpassen. Genau hier trifft sich Achtsamkeit mit Fotografie. Beide holen dich aus dem Autopiloten. Beide schärfen die Wahrnehmung. Und beide sind ehrlich genug, dir zu zeigen, wenn du gerade eigentlich woanders bist – im Kopf, in der To-do-Liste, im nächsten Bild.

Was ich besonders liebe: Fotografie verlangsamt auch im Nachhinein. Beim Durchsehen der Bilder kehre ich zurück in den Moment. Ich erinnere mich an den Geruch der Erde, an das Licht, an meine Stimmung. Das Foto ist dann kein Beweis, dass ich da war, sondern eine Erinnerung daran, wie es sich angefühlt hat.

Smartphone oder Kamera? Entscheidend ist nicht das Gerät

Ich nutze beides. Das Smartphone ist schnell und immer dabei. Die Kamera (ich habe eine alte Spiegelreflex) zwingt mich eher zur Ruhe, weil ich bewusster damit umgehen muss. Und ganz ehrlich? Seit die Smartphones so gute Bilder machen, schlepp ich das schwere Ding eigentlich nicht mehr mit mir rum…

Warum Achtsamkeit (Natur-)fotografie bessere Fotos macht

  • Du siehst mehr, obwohl du weniger machst.
  • Du wirst ruhiger, was man deinen Bildern ansieht. Viele Naturfotos scheitern nicht an der Kamera, sondern an Hektik: wackelige Hand, schiefer Horizont, unruhiger Bildausschnitt und viel zu viele kleine Motive. Wenn ich aber gezielt einen Ausschnitt wähle, bewusst atme und mich kurz stabil hinstelle (beide Füße, Schultern locker), werden die Bilder automatisch klarer. Gerade mit dem Smartphone ist das Gold wert.

Kleiner Techniktipp: Nutz die Gitterlinien deines Handys um den schiefen Horizont zu vermeiden.

  • Du kommst aus dem “Perfekt”-Modus raus. Achtsamkeit hilft mir, die Details zu sehen: Rinde, Rost, Blattadern oder eine Lichtkante – diese kleinen Motive findest du überall und doch werden sie meistens übersehen. Genau hinschauen und wahrnehmen lohnt sich aber.

Wie versprochen kommen hier noch drei konkrete Übungen, die dir helfen sollen, bessere Fotos mit deinem Smartphone zu machen.

3 Übungen für achtsame Naturfotografie

Übung 1: Ein Motiv, fünf Varianten

Ziel der Übung sind ein ruhiger Blick und bessere Bildideen.

So mache ich es:

Ich suche mir ein einzelnes Motiv, beispielsweise ein Blatt, eine einzelne Blüte, eine Türstruktur, Moos auf Holz oder ein Spinnennetz. Dann mache ich fünf verschiedene Fotos:

  1. Nahaufnahme (Details)
  2. Halbnah (Motiv + etwas Umfeld)
  3. Von oben
  4. Auf Augenhöhe
  5. Mit bewusstem Hintergrund (ruhig vs. unruhig)

Smartphone-Tipp: Tippe aufs Motiv, damit Fokus und Belichtung sitzen.

Übung 2: 30 Sekunden ohne Foto

Ziel der Übung ist es den Fotoimpuls zu stoppen und erst genau hinzusehen.

So mache ich es:

Ich sehe ein Motiv, schnapp mit mein Handy und schau mir für eine Weile mein Motiv an.

Dabei stelle ich mir u.a. die folgenden Fragen:

  • Wo ist das Licht?
  • Stört etwas im Hintergrund?
  • Was ist mein eigentliches Motiv, ist es die Form, die Farbe oder die Struktur, die mich anspricht?
  • Kann ich einen Schritt nach links/rechts machen, damit mein Bild möglicherweise ruhiger wird?

Danach mache ich genau ein Foto.

Übung 3: Nachsehen statt Aussortieren

Ziel der Übung ist es, Unstimmigkeiten zu erkennen.

Ich schau mir die 10 Fotos auf meinem Handy an und stelle mir drei Fragen:

  1. Warum habe ich das Bild gemacht, was hat mich daran angezogen?
  2. Was macht das Bild unruhig (wenn es unruhig ist) bzw. ruhig?
  3. Was würde ich beim nächsten Mal anders machen?

Du wirst bald merken, dass dein Blick klarer wird, weil du nicht nur fotografierst, sondern auch auswertest.

Typische Fotofehler (die fast jeder macht) und einfache Lösungen

Fehler gehören zum Leben dazu. Immer und überall. Punkt. Ich mache auch ständig und in verschiedenen Bereichen Fehler. Auch beim Fotografieren, schließlich bin ich alles andere als ein Profi.

Bei den Fotos gibt es aber so „typische Fehler“ und Vermeidungsmöglichkeiten. Ein paar möchte ich dir hier nennen.

  • Zu viel im Bild: Geh näher ran oder wähle einen ruhigeren Hintergrund.
  • Schief und wackelig: Beide Füße fest, Ellbogen leicht an den Körper, Anspannung lösen, einmal ausatmen beim Auslösen.
  • Sieht nicht aus wie in echt: Nicht die Farben überdrehen oder blitzen. Lieber Licht suchen (morgens/abends) oder Schatten nutzen.
  • Keine Tiefe: Motiv vom Hintergrund trennen (Abstand), beim Smartphone kannst du auch den Portraitmodus testen.

Mini-Checkliste für deinen nächsten Spaziergang

  • 1 Motiv auswählen
  • 30 Sekunden nur schauen
  • Hintergrund prüfen
  • Eine Variante nah, eine mit Umgebung
  • Ein Foto machen, kurz prüfen, weitergehen

Und wenn du Lust hast, lade ich dich ein zu meinen achtsamen Fotospaziergängen. Ich habe sie zu verschiedenen Themen erstellt und du findest sie hier.

Du hast Lust auf mehr von raum im fluss?

Melde dich zum Newsletter an, freu dich über eine Info, wenn neue Beiträge erscheinen und erhalte Zugriff auf drei Naturschatzsuchen für dich und deine Familie sowie weitere Arbeitsblätter!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Nach oben scrollen