Lieblingsstauden für den Garten finden

Lieblingsstauden für den Garten: Wie du ein lebendiges Staudenbeet anlegst

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Es gibt diesen Moment im Garten, der gleichzeitig Freiheit und Überforderung ist: ein nacktes Beet, vielleicht noch nackter Boden rund ums Haus, alles offen, alles möglich – und null Struktur. Genau da fangen viele von uns (mich eingeschlossen) an zu googeln: „Stauden für Sonne“, „insektenfreundliche Stauden“, „pflegeleichte Stauden“. Und vielleicht geht es dir hier ja so wie mir: Je mehr du liest, desto unsicherer wirst du: Passen die wirklich zu meinem Boden? Sind sie wirklich gut für Bienen? Sterben sie nach dem ersten trockenen Sommer? Lass uns das doch mal sortieren und Struktur ins Gedankenchaos bringen.

In diesem Beitrag geht es um Lieblingsstauden, die:

• Insekten wirklich etwas bringen
• mit Sonne, Halbschatten und sogar Trockenheit klarkommen (wenn sie etabliert sind)
• sich gut kombinieren lassen
• und die du mit der Zeit sogar selbst vermehren kannst.

Warum es so herausfordernd ist bei null anzufangen

Ein bestehender Garten hat immer schon eine Richtung: alte Sträucher, ein Baum, ein verwildertes Beet – irgendetwas, an das du anknüpfen kannst. So war es bei uns. Vieles war verwildert. Aber wir konnten anfangs damit leben, indem wir einfach ein bisschen Form reingebracht haben. Der Feinschliff, sprich: das Anlegen von Beeten, kommt jetzt.

Bei null (oder wenn du einen bestehenden Garten neu übernommen hast, weil du zum Beispiel so wie wir einen Resthof gekauft hast) fehlt genau diese Erfahrung:

• Du siehst die Proportionen noch nicht.
• Du kennst den Boden kaum.
• Sonne, Schatten, Wind – das muss sich erst ein Jahr lang zeigen.
• Und du willst „alles richtig machen“, gerade wenn du insektenfreundlich und klimaverträglich gärtnern möchtest.

Dass sich Stauden als langlebige Beetbepflanzung perfekt eignen, ist kein Geheimnis. Stauden sind einfach perfekt für Blumenbeete:

• sie kommen jedes Jahr wieder,
• sie sind – je nach Art – pflegeleicht und oft sehr robust,
• sie bieten, vor allem wenn du auf heimische und naturnahe Arten setzt, echten Mehrwert für Insekten.

Mein Tipp: Statt verschiedene 30 Stauden auf einmal zu planen, kannst du mit ein paar verlässlichen „Lieblingsstauden“ starten und deine Beete Jahr für Jahr verdichten. Denn, das ist ein Problem: Wenn du bei null anfängst, ist dein Beet anfangs noch sehr leer, weil die Stauden ja erst noch wachsen müssen. Dazu ein Lesetipp: Lückenfüller im Beet: was ich mache, solange Stauden noch klein sind

Was macht eine Staude insektenfreundlich?

Wenn ich von meinen Lieblingsstauden berichte, ist mir wichtig, dass sie insektenfreundlich sind. Wir Menschen zerstören in enormer Geschwindigkeit unsere Welt und ich sehe es als Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit an, dass wir im Kleinen versuchen sollten, den Lebewesen, mit denen wir uns die Erde teilen und deren Lebensraum wir egoistischer Weise zerstören, ein bisschen was zurückzugeben.

Nicht alles, was hübsch blüht, hilft Insekten. Das war mir ehrlich gesagt lange gar nicht so bewusst und ich habe nur wenig darüber nachgedacht. Heute weiß ich es besser und achte darauf.

Hier ein paar Grundregeln, die dir bei der Auswahl helfen können:

Wähle einfach blühende Sorten statt stark gefüllter Blüten – bei gefüllten Blüten kommen Bienen und Schmetterlinge nämlich oft gar nicht an Nektar und Pollen.
• Nimm möglichst heimische oder naturnahe Arten – viele Wildstauden sind perfekt an unsere Insekten angepasst. Webseitentipp an dieser Stelle: NaturaDB.
• Nimm Stauden mit langer Blütezeit und nutze eine geschickte Staffelung im Beet. Dann hast du nämlich vom Frühjahr bis in den Herbst hinein immer etwas das in deinem Garten blüht.
• Lass im Herbst die Samenstände stehen lassen – trockene Stängel und Samenstände dienen Insekten im Winter als Unterschlupf und Vogelfutter. (Hier erfährst du mehr über die Vorteile von „Unordnung“ in naturnahen Gärten)

Ausführlichere Infos dazu findest du in meinen Texten Ein Garten voller Leben: Warum insektenfreundliche Pflanzen mehr sind als „nice to have“ und Schmetterlingsgarten – warum er Sinn macht und wie du ihn anlegst

Mit diesem Filter im Hinterkopf schauen wir uns jetzt konkrete Lieblingsstauden an – aufgeteilt nach Standort.

Meine Lieblingsstauden für sonnige und eher trockene Beete

Kurz erklärt: Sonnig heißt: mindestens 6 Stunden am Tag direkte Sonne. Viele Menschen unterschätzen, wie gnadenlos heiß so ein Südbeet im Sommer werden kann. Genau dort brauchst du Stauden, die Hitze und zeitweise Trockenheit aushalten – zumindest wenn sie einmal eingewachsen sind.

Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea)

• Warum ich Purpur-Sonnenhut liebe: Echinacea ist wahnsinnig angenehm: Wunderschön und unaufdringlich.
• Standort: Sonnig, durchlässiger Boden, gern eher mager.
• Insektenfreundlichkeit: Offene Blüten, reich an Nektar – ein Magnet für Wildbienen und Schmetterlinge.
• Extra: Perfekt in naturnahen Beeten, z. B. zusammen mit Gräsern, Astern und Rudbeckien.

Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)

• Warum ich Lavendel liebe: Lavendel bringt sanftes Lila und Duft in den Garten, ohne „zu perfekt“ zu wirken. Außerdem fühlt sich Lavendel bei unserem Boden sehr wohl.
• Standort: Vollsonnig, trockener, eher sandiger Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Klassiker unter den insektenfreundlichen Pflanzen.
• Extra: Ideal als Beeteinfassung oder auch als Hecke – wir haben beispielsweise eine Buchsbaumhecke, die dem Zünsler untergekommen ist, gegen eine Lavendelhecke ersetzt. Ebenfalls gut geeignet im Gemüsebeet, weil sein Duft Schädlinge wie Blattläuse abwehren kann.

Hohe Fetthenne ‘Herbstfreude’ (Sedum telephium)

• Warum ich Fetthenne liebe: Sie hält durch, wenn vieles schon müde wird – im Spätsommer/Herbst blüht sie erst richtig auf und ist ein toller Hingucker im Beet.
• Standort: Sonnig, gern trocken und nährstoffarm.
• Insektenfreundlichkeit: Späte, dichte Blütenschirme, wichtige Nahrungsquelle im Herbst.
• Extra: Auch im Winter ist Sedum schön, lass die trockenen Blütenstände daher unbedingt stehen.

Wollziest (Stachys byzantina)

• Warum ich Wollziest liebe: Die weichen, silbrigen Blätter sehen aus als wären sie aus Samt und im Sommer gibt es kleine pinklila Blüten.
• Standort: Sonnig und trocken, mag durchlässigen, sandigen Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Seine rosa Blütenrispen ziehen viele Wildbienen an.
• Extra: Perfekter Bodendecker, reflektiert Licht und schützt den Boden vor Austrocknung. Macht sich gut als Beeteinfassung.

Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)

• Warum ich Wiesensalbei liebe: Wegen des lila Farbtupfers im Blumenbeet.
• Standort: Mager, sonnig, trocken.
• Insektenfreundlichkeit: Hummel- und Wildbienenpflanze, blüht lange, auch nach Rückschnitt.
• Extra: Sehr schön mit Echinacea und Gräsern kombiniert.

Frauenmantel (Alchemilla mollis)

• Warum ich Frauenmantel liebe: Frauenmantel ist eine unscheinbare Schönheit. Die tollen Blüten, die wunderschönen Blätter bei Regen. Einfach toll.
• Standort: Sonnig bis halbschattig, humoser Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Bietet Pollen und Nektar, Blätter fangen Morgentau.
• Extra: Kann als Bodendecker dichte Teppiche bilden, ideal für den Beetvordergrund.

Kombi-Idee für die Sonne: Echinacea + Wollziest + Frauenmantel oder Sedum ergibt weiche, graugrüne Kontraste mit kräftigen Blütenfarben.

Lieblingsstauden für Halbschatten und Schatten

Halbschatten bedeutet ungefähr 2–4 Stunden Sonne am Tag oder gefiltertes Licht. Tiefer Schatten sind z. B. Nordseiten oder Flächen unter großen Bäumen.

Storchschnabel (Geranium-Arten)

• Warum ich Storchschnabel liebe: Geranium ist so ein „Alltagsheld“: unaufgeregt, flächig, oft lange blühend. Außerdem ist er hart im nehmen.
• Standort: Viele Arten gedeihen sowohl in Sonne als auch in Halbschatten.
• Insektenfreundlichkeit: Bienenfreundlich und langlebig.

Astrantia major (Große Sterndolde)

• Warum ich sie liebe: Zarte, wunderschöne Blüten, die im Halbschatten neben grünen Pflanzen wie der Funkie einfach wunderschön wirken.
• Standort: Halbschatten, frischer, humoser Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Nahrung für kleine Wildbienen und Schwebfliegen.

Hosta (Funkie)

• Warum ich Funkien liebe: Sie ist eine Strukturpflanze mit ruhiger Ausstrahlung, die es in unzähligen Varianten gibt. Besonders schön sind die zartlila Blüten.
• Standort: Schatten bis Halbschatten, humoser Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Keine Hauptnahrungsquelle, da nicht heimisch. Sie bieten aber Schutz unter ihren großen Blättern.

Wald-Geißbart (Aruncus dioicus)

• Warum ich sie liebe: Füllt halbschattige Plätze mit Leichtigkeit mit den großen, federleichten Blütenrispen.
• Standort: Halbschatten, frischer, humoser Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Bietet reichlich Pollen, wird gut besucht.
• Extra: Sehr langlebig und winterhart.

Kombi-Idee für Schatten: Geranium + Astrantia + Aruncus + ein paar Hostas für Struktur ergibt ein ruhiges, dauerhaft grünes Bild mit feinen Blütenmomenten.

Stauden für Trockenheit – wenn es im Sommer wirklich knallt

Die letzten Jahre haben gezeigt: selbst in Norddeutschland sind lange Trockenphasen im Sommer kein Ausnahmefall mehr. Dürreverträgliche Stauden helfen dir dabei, Wasser zu sparen und trotzdem ein lebendiges Beet zu haben.

Kugeldistel (Echinops)

• Warum ich sie liebe: Robust und ein Bienenparadies. Außerdem getrocknet wunderschön!
• Standort: Sonnig, trocken, magerer Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Eine tolle Staude für Wildbienen.
• Extra: Lässt sich gut trocknen, auch für Sträuße.

Katzenminze (Nepeta faassenii)

• Warum ich sie liebe: Blüht monatelang, ist robust und trockenheitsverträglich und unsere Katze liebt sie.
• Standort: Vollsonnig, durchlässiger Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Pollen- und nektarreich, beliebt bei Wildbienen.
• Extra: Nach einem Rückschnitt gibt’s meist zweite Blüte im Spätsommer.

Lieblingsstaudenkombinationen für ein ruhiges, pflegeleichtes Beet

Statt dutzende verschiedene Stauden durcheinander zu pflanzen, kannst du mit Wiederholungen arbeiten. Das wirkt ruhiger und pflegeleichter.

Sonniges „Spätsommer-Beet“

• Echinacea purpurea
• Hohe Fetthenne ‘Herbstfreude’
• Lavendel
• Wollziest oder Wiesen-Salbei
• Dazu ein paar Gräser (z. B. Panicum oder Pennisetum)

Ergebnis: Von Juli bis Oktober blüht immer etwas.

Halbschattige Ecke am Haus

• Geranium als flächiger Bodendecker
• Astrantia in kleinen Gruppen dazwischen
• Elfenblume und Farn für Bodendecke
• Einzelne Hostas oder Wald-Geißbart für Höhe

Ergebnis: Eine ruhige Fläche mit vielen schönen Details.

Stauden vermehren – damit aus ein paar Lieblingsstauden ein ganzes Beet wird

Das Schöne an Stauden: Du kannst sie mit der Zeit selbst vermehren – vor allem durch Teilung. Viele Stauden profitieren davon, alle 3–5 Jahre geteilt zu werden. Frühjahrsblüher teilst du im Herbst, Sommer- und Herbstblüher im zeitigen Frühjahr. So verjüngst du deine Pflanzen und kannst neue Beete füllen, ohne jedes Jahr neue Pflanzen kaufen zu müssen – denn dass das ins Geld geht, darüber brauchen wir nicht reden.

Wie du mit deinen Beeten in 3 Schritten starten kannst

Wenn du aktuell bei null stehst, könnte ein erster, sehr überschaubarer Schritt so aussehen:

  1. Beobachte dein Grundstück: Wo ist wirklich Sonne, wo bleibt es feucht, wo knallt die Hitze?
  2. Wähle pro Bereich 3–5 Staudenarten, die zu deinem Standort passen.
  3. Pflanze in Gruppen, nicht einzeln – je 3, 5 oder 7 Pflanzen der gleichen Art wirken ruhiger und sind für Insekten leichter zu finden.

Ein Staudenbeet ist kein Projekt, das du abhaken kannst. Es wächst, verändert sich, überrascht dich. Wenn du dir ein paar verlässliche Lieblingsstauden aussuchst und ihnen Zeit zum Ankommen gibst, entsteht nach und nach genau das: ein Garten, der dich trägt – und summt.

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