Als ich angefangen habe, Farbe in unseren Garten zu bringen (Farbe=bunte Blumen), waren Pinterest und Google meine besten Freunde. Ich habe gesucht nach „Stauden für Sonne“, „insektenfreundliche Stauden“, „pflegeleichte Stauden“ usw. Ich habe mich vor allem von den schönen Bildern beeinflussen lassen und entsprechende Stauden gekauft – leider ohne zu fragen: Passen die wirklich zu meinem Boden? Sind sie wirklich gut für Bienen? Sterben sie nach dem ersten trockenen Sommer? Welche Stauden mittlerweile zu meinen Lieblingsstauden gehören und ziemlich „idiotensicher“ sind, verrate ich dir in diesem Beitrag.
In diesem Beitrag geht es also um meine Lieblingsstauden, die:
• Insekten wirklich etwas bringen
• mit Sonne, Halbschatten und sogar Trockenheit klarkommen (wenn sie etabliert sind)
• sich gut kombinieren lassen
• und die du mit der Zeit sogar selbst vermehren kannst.
Warum es so herausfordernd ist, ein Beet bei null anzufangen
Ein bestehender Garten hat immer schon eine Richtung: Sträucher, ein Baum, ein Beet – irgendetwas, an das du anknüpfen kannst, wenn du deinen Garten neu gestalten möchtest. Du weißt, wo Sonne, Schatten und Wind dominieren, wie der Boden ist, siehst Proportionen ist.
Fängst du aber gänzlich bei null an oder hast du einen bestehenden Garten neu übernommen, weil du zum Beispiel so wie wir einen Resthof gekauft hast, fehlt genau diese Erfahrung:
Das macht es total herausfordernd. Aber wenn du Stauden wählst, machst du schon mal vieles sehr richtig. Denn Stauden eignen sich einfach perfekt für Blumenbeete:
• sie kommen jedes Jahr wieder,
• sie sind – je nach Art – pflegeleicht und oft sehr robust,
• sie bieten, vor allem wenn du auf heimische und naturnahe Arten setzt, echten Mehrwert für Insekten.
Was ich dir als mein Learning mitgeben kann: Statt verschiedene 30 Stauden auf einmal zu planen, kannst du mit ein paar verlässlichen „Lieblingsstauden“ starten und deine Beete Jahr für Jahr verdichten. Denn, das ist ein Problem: Wenn du bei null anfängst, ist dein Beet anfangs noch sehr leer, weil die Stauden ja erst noch wachsen müssen. Dazu ein Lesetipp: Lückenfüller im Beet: was ich mache, solange Stauden noch klein sind
Was macht eine Staude insektenfreundlich?
Wenn ich von meinen Lieblingsstauden berichte, ist mir wichtig, dass sie insektenfreundlich sind.
Wir Menschen zerstören in enormer Geschwindigkeit unsere Welt und ich sehe es als Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit an, dass wir im Kleinen versuchen sollten, den Lebewesen, mit denen wir uns die Erde teilen und deren Lebensraum wir egoistischer Weise zerstören, ein bisschen was zurückzugeben.
Nicht alles, was hübsch blüht, hilft Insekten. Das war mir ehrlich gesagt lange gar nicht so bewusst und ich habe nur wenig darüber nachgedacht. Heute weiß ich es besser und achte darauf.
Hier ein paar Grundregeln, die dir bei der Auswahl helfen können:
• Wähle einfach blühende Sorten statt stark gefüllter Blüten – bei gefüllten Blüten kommen Bienen und Schmetterlinge nämlich oft gar nicht an Nektar und Pollen.
• Nimm möglichst heimische oder naturnahe Arten – viele Wildstauden sind perfekt an unsere Insekten angepasst. Webseitentipp an dieser Stelle: NaturaDB.
• Nimm Stauden mit langer Blütezeit und nutze eine geschickte Staffelung im Beet. Dann hast du nämlich vom Frühjahr bis in den Herbst hinein immer etwas das in deinem Garten blüht.
• Lass im Herbst die Samenstände stehen lassen – trockene Stängel und Samenstände dienen Insekten im Winter als Unterschlupf und Vogelfutter. (Hier erfährst du mehr über die Vorteile von „Unordnung“ in naturnahen Gärten)
Ausführlichere Infos dazu findest du in meinen Texten Ein Garten voller Leben: Warum insektenfreundliche Pflanzen mehr sind als „nice to have“ und Schmetterlingsgarten – warum er Sinn macht und wie du ihn anlegst
Mit diesem Filter im Hinterkopf schauen wir uns jetzt konkrete Lieblingsstauden an – aufgeteilt nach Standort.
Meine Lieblingsstauden für sonnige und eher trockene Beete
Kurz erklärt: Sonnig heißt: mindestens 6 Stunden am Tag direkte Sonne. Viele Menschen unterschätzen, wie gnadenlos heiß so ein Südbeet im Sommer werden kann. Genau dort brauchst du Stauden, die Hitze und zeitweise Trockenheit aushalten – zumindest wenn sie einmal eingewachsen sind. Solang sie noch anwachsen, brauchen sie immer Wasser!
Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea)
• Warum ich Purpur-Sonnenhut liebe: Echinacea hat eine unfassbar schöne Farbe und ist gleichzeitig so unaufdringlich.
• Standort: Sonnig, durchlässiger Boden, gern eher mager.
• Insektenfreundlichkeit: Offene Blüten, reich an Nektar – ein Magnet für Wildbienen und Schmetterlinge.
• Kombinationsidee: zusammen mit Schafgarbe, Kugeldisteln, Astern und Rudbeckien.
Echter Lavendel (Lavandula angustifolia)
• Warum ich Lavendel liebe: Lavendel bringt sanftes Lila und Duft in den Garten, ohne „zu perfekt“ zu wirken. Außerdem fühlt sich Lavendel bei unserem Boden sehr wohl.
• Standort: Vollsonnig, trockener, eher sandiger Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Klassiker unter den insektenfreundlichen Pflanzen. Bei uns summt und brummt es immer im Lavendel.
• Pflanzidee: Ideal als Beeteinfassung oder auch als Hecke – wir haben beispielsweise eine Buchsbaumhecke, die dem Zünsler untergekommen ist, gegen eine Lavendelhecke ersetzt. Ebenfalls gut geeignet im Gemüsebeet, weil sein Duft Schädlinge wie Blattläuse abwehren kann. Bei uns wächst er daher auch im Bauerngarten.

Hohe Fetthenne ‘Herbstfreude’ (Sedum telephium)
• Warum ich Fetthenne liebe: Sie hält durch, wenn vieles schon müde wird (nur den Rehen fällt sie gern zum Opfer) – im Spätsommer/Herbst blüht sie erst richtig auf und ist ein toller Hingucker im Beet.
• Standort: Sonnig, gern trocken und nährstoffarm.
• Insektenfreundlichkeit: Die späten, dichten Blütenschirme sind eine wichtige Nahrungsquelle im Herbst.
• Extra: Auch im Winter ist Sedum schön, lass die trockenen Blütenstände daher unbedingt stehen (was eh zu empfehlen ist, damit die Insekten in deinem Garten ein Winterquartier finden).
Wollziest (Stachys byzantina)
• Warum ich Wollziest liebe: Wollziest mochte ich sehr lange nicht, ich fand ihn immer irgendwie… unangenehm? unheimlich? Diese Meinung hat sich grundlegend geändert, mittlerweile liebe ich unseren Wollziest. Er wächst toll und undkompliziert und lässt sich gut teilen. Die weichen, silbrigen Blätter sehen aus als wären sie aus Samt und im Sommer gibt es kleine pinklila Blüten.
• Standort: Sonnig und trocken, mag durchlässigen, sandigen Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Seine rosa Blütenrispen ziehen viele Wildbienen an.
• Pflanzidee: Wollziest ist ein toller Bodendecker, denn er reflektiert Licht und schützt den Boden vor Austrocknung. Ich mag Wollziest gern als Beeteinfassung und habe einige so eingefasst. Kombiniert habe ich ihn mit Lavendel, Kugeldistel, Echinacea, Schafgarbe, Zierlauchstauden, Wiesensalbei und Katzenminze.
Wiesen-Salbei (Salvia pratensis)
• Warum ich Wiesensalbei liebe: Wegen des lila Farbtupfers im Blumenbeet. Ich liebe lila.
• Standort: Mager, sonnig, trocken.
• Insektenfreundlichkeit: Hummel- und Wildbienenpflanze, blüht lange, auch nach Rückschnitt.
• Kombinationsidee: Sehr schön mit Echinacea und Gräsern kombinierbar.
Lieblingsstauden für Halbschatten und Schatten
Halbschatten bedeutet ungefähr 2–4 Stunden Sonne am Tag oder gefiltertes Licht. Tiefer Schatten sind z. B. Nordseiten oder Flächen unter großen Bäumen.
Frauenmantel (Alchemilla mollis)
• Warum ich Frauenmantel liebe: Frauenmantel ist eine unscheinbare Schönheit. Die tollen Blüten, die wunderschönen Blätter bei Regen. Einfach toll. Aber genau wie beim Wollziest habe ich auch beim Frauenmantel gebraucht, bis ich ihn so zu schätzen wusste.
• Standort: Sonnig bis halbschattig, humoser Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Bietet Pollen und Nektar, Blätter fangen Morgentau.
• Extra: Kann als Bodendecker dichte Teppiche bilden, ideal für den Beetvordergrund.
Storchschnabel (Geranium-Arten)
• Warum ich Storchschnabel liebe: Geranium ist so ein „Alltagsheld“: unaufgeregt, flächig, oft lange blühend. Außerdem ist er hart im Nehmen und er breitet sich recht schnell aus. Super bei Lücken im Beet. 🙂
• Standort: Viele Arten gedeihen sowohl in Sonne als auch in Halbschatten, bei mir wächst er vor allem im Halbschatten.
• Insektenfreundlichkeit: Bienenfreundlich
Astrantia major (Große Sterndolde)
• Warum ich sie liebe: Zarte, wunderschöne Blüten, die im Halbschatten neben grünen Pflanzen wie der Funkie einfach wunderschön wirken.
• Standort: Halbschatten, frischer, humoser Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Nahrung für kleine Wildbienen und Schwebfliegen.
Hosta (Funkie)
• Warum ich Funkien liebe: Meine Beziehung zu den Funkien ist noch schwieriger gewesen als die zu Wollziest. Ich fand sie gruselig, mein Mann nennt sie „Alienblume“. Aber mittlerweile liebe ich sie und habe auch einige gepflanzt. Hosta ist eine Strukturpflanze mit ruhiger Ausstrahlung, die es in unzähligen Varianten gibt. Besonders schön sind die zartlila Blüten.
• Standort: Schatten bis Halbschatten, humoser Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Keine Hauptnahrungsquelle, da nicht heimisch. Sie bieten aber Schutz unter ihren großen Blättern.

Wald-Geißbart (Aruncus dioicus)
• Warum ich sie liebe: Füllt halbschattige Plätze mit Leichtigkeit mit den großen, federleichten Blütenrispen.
• Standort: Halbschatten, frischer, humoser Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Bietet reichlich Pollen, wird gut besucht.
• Extra: Sehr langlebig und winterhart.
Stauden für Trockenheit – wenn es im Sommer wirklich knallt
Die letzten Jahre haben gezeigt: selbst in Norddeutschland sind lange Trockenphasen im Sommer kein Ausnahmefall mehr. Dürreverträgliche Stauden helfen dir dabei, Wasser zu sparen und trotzdem ein lebendiges Beet zu haben.
Kugeldistel (Echinops)
• Warum ich sie liebe: Robust und ein Bienenparadies. Außerdem getrocknet wunderschön! Und lila. 🙂
• Standort: Sonnig, trocken, magerer Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Eine tolle Staude für Wildbienen.
• Extra: Lässt sich gut trocknen, auch für Sträuße und Kränze.
Katzenminze (Nepeta faassenii)
• Warum ich sie liebe: Katzenminze blüht monatelang, ist robust und trockenheitsverträglich und unsere Katze Bruno liebt sie.
• Standort: Vollsonnig, durchlässiger Boden.
• Insektenfreundlichkeit: Pollen- und nektarreich, beliebt bei Wildbienen.
• Tipp: Nach einem Rückschnitt gibt’s meist zweite Blüte im Spätsommer.

Lieblingsstaudenkombinationen für ein ruhiges, pflegeleichtes Beet
Statt dutzende verschiedene Stauden durcheinander zu pflanzen, kannst du mit Wiederholungen arbeiten. Das wirkt ruhiger und ist zudem pflegeleichter.
Hier kommen ein paar Kombinationsideen, die gut funktionieren:
Sonniges „Spätsommer-Beet“
• Echinacea purpurea
• Hohe Fetthenne ‘Herbstfreude’
• Lavendel
• Wollziest oder Wiesen-Salbei
• Dazu ein paar Gräser
Ergebnis: Von Juli bis Oktober blüht immer etwas.
Halbschattige Ecke am Haus
• Geranium als flächiger Bodendecker
• Astrantia in kleinen Gruppen dazwischen
• Sterndolde für kleine Farbtupfer
• verschiedene Hostas
Ergebnis: Eine ruhige Fläche mit vielen schönen Details.
Stauden vermehren – damit aus ein paar Lieblingsstauden ein ganzes Beet wird
Das Schöne an Stauden: Du kannst sie mit der Zeit selbst vermehren – vor allem durch Teilung. Viele Stauden profitieren davon, alle 3–5 Jahre geteilt zu werden. Frühjahrsblüher teilst du im Herbst, Sommer- und Herbstblüher im zeitigen Frühjahr. So verjüngst du deine Pflanzen und kannst neue Beete füllen, ohne jedes Jahr neue Pflanzen kaufen zu müssen – denn dass das ins Geld geht, darüber brauchen wir nicht reden.
Wie du mit deinen neuen Staudenbeeten in 3 Schritten starten kannst
Wenn du aktuell bei null stehst, könnte ein erster, sehr überschaubarer Schritt so aussehen:
- Beobachte dein Grundstück: Wo ist wirklich Sonne, wo bleibt es feucht, wo knallt die Hitze?
- Wähle pro Bereich 3–5 Staudenarten, die zu deinem Standort passen.
- Pflanze in Gruppen, nicht einzeln – je 3, 5 oder 7 Pflanzen der gleichen Art wirken ruhiger und sind für Insekten leichter zu finden.
Ein Staudenbeet ist kein Projekt, das du abhaken kannst. Es wächst, verändert sich, überrascht dich. Wenn du dir ein paar verlässliche Lieblingsstauden aussuchst und ihnen Zeit zum Ankommen gibst, entsteht nach und nach genau das: ein Garten, der dich trägt – und summt.

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