Totholzhecke im Garten anlegen

Totholzhecke: So schaffst du einen Lebensraum aus dem, was bleibt

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Ich mag es, wenn Dinge bleiben dürfen. Wenn sie sich verändern, langsam, fast unmerklich. Genau das passiert bei einer Totholzhecke: Sie besteht aus dem, was sonst als Gartenabfall gelten würde – Äste, Zweige, Laub. Doch anstatt sie zu entsorgen, kann daraus etwas Wertvolles entstehen. Eine Struktur, die Leben ermöglicht, schützt und den Garten natürlicher macht.

Warum ich Totholz im Garten so wichtig finde

Totholz ist kein totes Material. Es ist ein Lebensraum. Wenn du eine Totholzhecke – oder Benjeshecke, wie sie ursprünglich genannt wurde – anlegst, schaffst du einen Ort, an dem sich unzählige Tiere ansiedeln können.

• Igel und Kleinsäuger nutzen die Hohlräume als Winterquartier (darüber erfährst du hier mehr).
• Amphibien wie Kröten oder Eidechsen verstecken sich im Schutz des Holzes vor Hitze und Fressfeinden.
• Insekten – darunter Wildbienen, Wespen, Laufkäfer und Spinnen – finden dort Brutplätze und Nahrung.
• Vögel wie Rotkehlchen oder Zaunkönig suchen in der Hecke nach Insekten oder bauen ihre Nester.
• Bodenlebewesen wie Regenwürmer, Asseln, Pilze und Bakterien zersetzen das Holz und verwandeln es über Jahre in nährstoffreichen Humus.

So entsteht Schritt für Schritt ein kleines Ökosystem – ein Garten, der lebt, anstatt nur gestaltet zu sein.

Warum nicht jede Totholzhecke funktioniert

Ich habe festgestellt: Eine Totholzhecke erfüllt ihren Zweck nur, wenn sie richtig aufgebaut ist. Einfach Äste auf einen Haufen zu werfen, reicht nicht. Es braucht Struktur. Unten sollten dicke Äste liegen, darüber feinere Zweige und Laub. Das sorgt für Stabilität und schafft Hohlräume – wichtig für Tiere, die Schutz suchen.

Verwende nur unbehandeltes, gesundes Holz. Lackierte, imprägnierte oder kranke Hölzer geben Schadstoffe ab und schaden dem Boden. Besonders geeignet sind heimische Gehölze wie Hasel, Buche, Eiche oder Obstbaumholz.

Und: Eine Totholzhecke braucht Geduld. Sie wird nicht von heute auf morgen zum Biotop. Erst mit den Jahren siedeln sich Pflanzen, Pilze und Tiere an.

So legst du deine eigene Totholzhecke an

  1. Wähle einen passenden Ort. Ideal ist eine halbschattige bis sonnige Stelle am Rand deines Gartens, die du nicht ständig betrittst. So bleibt Ruhe für die Tiere. Wir haben sie direkt an unseren Grundstückszaun gepackt in Abgrenzung zum Feld.
  2. Setz stabile Pfosten. Schlage zwei Pfosten etwa 50 bis 80 cm auseinander in den Boden. Für längere Hecken kannst du alle 1,5 Meter weitere Pfosten setzen. Als Tipp: Bei den Pferden habe ich T-Pfosten, die eigenen sich auch zur Stabilisierung von Totholzhecken, weil sie super langlebig sind und nicht verrotten.
  3. Schichte das Holz. Beginne mit den dickeren Ästen, darauf folgen kleinere Zweige, Laub und etwas Erde. Lass Hohlräume – sie sind das Entscheidende für die Tierwelt.
  4. Fülle regelmäßig nach. Mit der Zeit verrottet das Material. Du kannst im Frühjahr oder Herbst einfach neues Schnittgut ergänzen.
  5. Lass die Natur mitarbeiten. Nach einiger Zeit wachsen Moose, Farne oder wilde Pflanzen in die Hecke hinein. Das macht sie noch vielfältiger und wunderschön. Bei uns wachsen zum Beispiel Mohn, Rosen und ähnliches auf und in der Hecke.

Warum Brennnesseln und Brombeeren in einer Totholzhecke stören können

Ich mag Wildpflanzen, und Brennnesseln und Brombeeren gehören zweifellos dazu (letztere aber nur zum Teil). Sie sind wertvoll für Schmetterlinge und Bienen. In der Totholzhecke selbst sind sie aber eher hinderlich.

Beide Pflanzen breiten sich stark aus. Ihre Wurzeln und Ranken durchdringen das Holz und nehmen anderen Arten den Raum. Brennnesseln lieben nährstoffreiche Böden – wenn sie sich stark vermehren, ist das oft ein Zeichen für zu viel Stickstoff. Brombeeren bilden dichte, stachelige Gestrüppe, die die Hecke überwuchern und Tiere verdrängen können.

Ich lasse sie daher lieber an anderer Stelle wachsen – am Zaun oder an sonnigen Ecken des Gartens. Dort bieten sie Nahrung und Deckung, ohne das Gleichgewicht in der Hecke zu stören.

Pflege, Geduld und Beobachtung

Eine Totholzhecke lebt. Sie verändert sich über die Jahre. Holz zerfällt, Pflanzen wachsen, Tiere kommen und gehen. Ich sehe mir meine Hecke einmal im Jahr genauer an, entferne wuchernde Pflanzen und lege neues Material nach.

Es ist faszinierend, zu beobachten, wie sich aus totem Holz neues Leben entwickelt – ganz ohne Zutun. Moos wächst auf Ästen, Pilze erscheinen, Vögel huschen hindurch, und plötzlich ist dieser wilde Holzstapel zu einem Teil des Gartens geworden, der nicht gestaltet, sondern gewachsen wirkt.

Tipp für Pferdemenschen

Totholzhecken funktionieren nicht nur im Garten ganz wunderbar: Wir haben auch entlang unseres Paddocktrails eine Totholzhecke. In diesem Fall bestücke ich sie mit Knabberholz für Pferde: Birke und Haselnuss sind zum Beispiel ganz wunderbar geeignet. Unsere Pferde lieben es, daran zu knabbern. Ausführlicher schreibe ich darüber in meinem eBook Pferdehaltung als Selbstversorger.

Fazit

Eine Totholzhecke kostet nichts, braucht kaum Pflege und schenkt unglaublich viel Leben zurück. Sie ist ein einfacher Weg, deinen Garten ökologisch aufzuwerten und Wildtieren ganzjährig Schutz zu bieten. Wenn du sie mit etwas Geduld und Bewusstsein anlegst, wirst du erleben, wie sich aus dem, was du eigentlich wegräumen wolltest, ein Stück lebendige Natur entwickelt – ganz still, aber wirkungsvoll.

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1 Gedanke zu „Totholzhecke: So schaffst du einen Lebensraum aus dem, was bleibt“

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