Wusstest du, dass du ganz einfach und kostenlos mit Steckhölzern deine Sträucher vermehren kannst? Ich wusste es lange nicht und bin sehr froh, dass ich es jetzt weiß. Und deswegen erzähl ich dir jetzt ein bisschen was darüber und zeige dir, wie du mit Steckhölzern ganz einfach deine Lieblingssträucher vermehren kannst.
Was sind Steckhölzer eigentlich?
Bevor wir loslegen, lass mich kurz erklären, was Steckhölzer überhaupt sind. Viele verwechseln sie nämlich mit Stecklingen – ich auch lange. Aber tatsächlich unterscheidet sich beides voneinander.
Stecklinge schneidest du während der Wachstumszeit. Sie haben noch Blätter und sind nur halb verholzt.
Steckhölzer sind komplett verholzte, blattlose Triebe, die du in der Ruhephase der Pflanze schneidest – also im Winter.
Das Geniale daran: Die Steckhölzer sind richtig robust und können direkt ins Freiland. Du brauchst also kein Gewächshaus, keine Anzuchterde oder ähnliches. Einfacher geht’s kaum.
Welche Pflanzen lassen sich mit Steckhölzern vermehren?
Ich habe über die Jahre herausgefunden, dass sich besonders schnellwüchsige Gehölze super eignen. Hier sind ein paar Beispiele aus meinem Garten:
Blütensträucher:
- Forsythie – wichtig: nicht insektenfreundlich! Bei uns wächst die Forsythie (leider) zuhauf, deswegen führe ich sie auf. Wenn du aber nur ein paar Sträucher hast und diese mit insektenfreundlicheren Alternativen kombinierst, ist es okay… Immerhin dient der grüne Busch später den Vögeln als Rückzugsort).
- Hartriegel (Cornus)
- Spierstrauch
- Holunder
- Schneeball (Viburnum, nicht die Hortensie ;))
- Edelflieder
Obstgehölze:
- Johannisbeere (Johannisbeersteckhölzer kannst du auch in ein Glas Wasser auf die Fensterbank. Nach etwa 2-3 Wochen haben sie Wurzeln und sie können in die Erde)
- Stachelbeere
- Brombeere
- Himbeere
Bäume:
- Weiden
- Pappeln (die können echt zur Plage werden, wenn man nicht aufpasst… Ich spreche aus Erfahrung ;))
- Pflaumen (hier gilt das gleiche wie für die Pappeln, besonders in Kombination nicht sooo schön….)
Mein Praxistipp: Beginne mit Johannisbeeren oder Forsythien. Die sind quasi unkaputtbar und du siehst schnell Erfolge. Das motiviert ungemein!

Der perfekte Zeitpunkt: Wann schneide ich Steckhölzer?
Das Timing ist bei Steckhölzern ebenso wichtig wie bei Stecklingen. Ich schneide meine Steckhölzer zwischen Dezember und Ende Februar an frostfreien Tagen. Mitte bis Ende Februar ist für mich optimal, kurz bevor die Knospen anschwellen.
Warum gerade diese Zeit? Die Pflanzen befinden sich jetzt noch in der Winterruhe. Über die blattlosen Triebe verdunstet kaum Wasser, und die Gefahr von Krankheiten ist minimal. Wenn die Knospen am Zweig schon dick werden, sinkt die Erfolgsquote. Also lieber etwas früher als zu spät!
Übrigens: Ich habe vor ein paar Jahren von meinem Mann eine Gartenschere zum Geburtstag bekommen. Er hat sie mir mit den Worten „mir wurde gesagt, die ist super für kleine Hände“ überreicht. Und ehrlich – ich liebe sie und sie ist mir heilig. Sie liegt nämlich nicht nur gut in der Hand, sie schneidet auch super! Deswegen möchte ich sie auch dir gern von Herzen empfehlen (und solltest du größere Hände haben, du bekommst sie auch in größeren Größen 😉 )
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Schritt für Schritt: Steckhölzer richtig schneiden
Jetzt wird’s praktisch. Ich zeige dir genau, wie ich vorgehe:
1. Die richtigen Triebe auswählen
Such dir am Strauch gesunde, kräftige Triebe aus. Sie sollten:
- Einjährig sein (also im letzten Jahr gewachsen – du erkennst sie am helleren Holz)
- Mindestens bleistiftdick sein
- Keine Schäden oder Krankheiten aufweisen
Tipp: Du kannst die Triebe leicht biegen. Wenn sie deutlichen Widerstand leisten, sind sie perfekt. Zu biegsame oder leicht knickende Triebe lasse ich stehen.
2. Sauber schneiden
Nimm eine scharfe, saubere Rosenschere. Ich desinfiziere meine immer mal wieder –das kostet nichts und kann Infektionen verhindern.
Schneide dann etwa 15 bis 20 cm lange Stücke mit je 3 bis 5 Knospen.
Unten schräg, knapp unter einer Knospe
Oben gerade, etwa 1 cm über einer Knospe
Dieser Unterschied hilft dir später zu erkennen, wo oben und unten ist. Außerdem lässt sich die schräge Schnittfläche leichter in die Erde stecken.
Wichtig: Schneide immer direkt an den Blattknotenpunkten (Nodien). Hier wachsen später die Wurzeln!
3. Sofort stecken oder lagern?
Ich stelle mir diese Frage meist nicht, weil ich nur bei mildem Wetter Steckhölzer schneide und dann auch gleich in die Erde bringe. Bei strengem Frost verzichte ich darauf.
4. Steckhölzer stecken
Freiland oder Topf? Beides ist möglich.
Du steckst die Steckhölzer zu zwei Dritteln in die Erde – nur das oberste Augenpaar schaut raus. Dann drückst du sie gut an und gießt sie. Ganz gleich, ob Topf oder Freiland.
Pflege: Das solltest du beachten
Die gute Nachricht: Steckhölzer sind pflegeleicht. Trotzdem gibt’s ein paar Dinge zu beachten.
Bei starkem Frost nachschauen: Manchmal frieren die Steckhölzer hoch und verlieren den Bodenkontakt. Dann einfach wieder vorsichtig andrücken.
Bei Trockenheit gießen – der Boden sollte gleichmäßig feucht sein.
Die Vorteile der Steckholzvermehrung
Warum ich diese Methode so liebe? Lass mich die Vorteile aufzählen:
✓ Kostenlos: Aus einem Strauch machst du dutzende neue Pflanzen und sparst somit richtig Geld.
✓ Sortenecht: Du bekommst exakt die gleiche Pflanze wie die Mutter. Wenn du also eine besonders leckere Beere hast, werden alle Steckhölzer genauso.
✓ Super einfach: Keine komplizierten Anzuchtbedingungen, kein Gewächshaus nötig. Einfach stecken und abwarten.
✓ Hohe Erfolgsquote: Bei geeigneten Pflanzen liege ich bei 70-90% Erfolg. Selbst als Anfänger schaffst du das!
✓ Gartenschätze vermehren: Dieser traumhafte alte Strauch bei deiner Oma? Frag nach einem Zweig und du hast ein lebendiges Andenken.
Die Nachteile (ja, die gibt’s auch)
Ehrlich sein gehört dazu. Nicht alles ist perfekt:
✗ Zeit: Von Steckholz zur verkaufsfertigen Pflanze dauert es 1-2 Jahre. Wenn du sofort Ergebnisse willst, bist du mit Jungpflanzen aus der Baumschule oder Gärtnerei besser bedient (hier findest du zum Beispiel eine tolle Zuckerbrombeere, die direkt größer ist!*)
✗ Nicht für alle Gehölze geeignet: Edle Blütensträucher wie Magnolien oder Fächerahorn funktionieren nicht. Da brauchst du andere Methoden.
✗ Ausfälle: Auch bei mir funktioniert nicht jedes Steckholz. Mit einer gewissen Ausfallquote musst du rechnen.
Typische Fehler (die ich gemacht habe)
Damit du aus meinen Fehlern lernen kannst, möchte ich dir die beiden folgenden Tipps mitgeben: Nimm nach Möglichkeit nicht die Triebspitzen. Das Holz ist dort ist oft zu weich und unreif. Nimm lieber einen mittleren Teil der Rute. Und steck dein Steckholz nicht falsch herum in die Erde. Ist mir manchmal passiert und deswegen empfehle ich dir, das untere Ende schräg zu schneiden.
Abschließend noch ein Bonustipp: Die schönsten Sträucher wachsen oft in fremden Gärten. Die meisten Leute freuen sich, wenn du nach einem Zweig fragst. Und zack, kannst du dir einen tollen Strauch ziehen ohne viel Geld ausgegeben zu haben.
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