Resthofsanierung ohne Erfahrung

Resthofsanierung ohne Erfahrung: So haben wir angefangen

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Als wir unseren alten Resthof in Niedersachsen gekauft haben, hatten wir genau null Erfahrung mit Haussanierung. Kein Bauhintergrund, keine handwerkliche Ausbildung. Nur: ein großer Wunsch nach einem Zuhause mit Geschichte – und ein denkmalgeschütztes Haus, das uns ziemlich deutlich gezeigt hat, dass es seine eigenen Regeln hat. In diesem Beitrag erzähle ich dir, wie wir an die Resthofsanierung herangegangen sind.

Bevor ich starte, möchte ich dir ein paar Hintergrundinfos geben. Wir haben gekauft:

  • ein möbliertes Haus, das wir mit kleinen Ausnahmen so übernommen haben, wie der (uns unbekannte) Vorbesitzer es verlassen hat,
  • mit Denkmalschutz, der manche Entscheidungen vorgibt (darüber schreibe ich in: Denkmalgeschütztes Haus kaufen: Was du vorher wissen solltest),
  • mit einem Dach, das uns gezwungen hat, unsere erdachte Sanierungsreihenfolge komplett umzudrehen
  • und mit der Erkenntnis, dass Sanierung oft bedeutet: erst sichern, dann leben, dann weiter denken.

Startbedingungen: Möbliertes Haus, Denkmalschutz, keine Ahnung

Wir wohnen auf einem alten Resthof in Niedersachsen, mit Wohnhaus, Ställen und Nebengebäuden. Das Wohnhaus und die daran anschließende Diele stehen unter Denkmalschutz. Irgendwie romantisch, ja. Aber auch: vollgestellt, verstaubt, jahrzehntelang gewachsen.

Lesetipp: Hier schreibe ich darüber, was es bedeutet, ein denkmalgeschütztes Haus in Niedersachsen zu kaufen und zu sanieren.

Möbliertes Haus übernehmen

Wir haben das Haus möbliert übernommen.

Das heißt:

  • Schränke voll,
  • Keller voll,
  • Ställe voll,
  • überall Dinge, Geschichten, alte Möbel, Werkzeuge, Kisten.

In unserem Fall wurde der Resthof nicht vom direkten Vorbesitzer verkauft, sondern von Menschen, die den Hof für den Hofbesitzer verkauft haben. Sie haben, bevor der Hof auf dem Immobilienmarkt angeboten wurde, wurden Dinge von Wert mitgenommen oder verkauft. Wir haben also sehr viel Kram übernommen, von dem auch sehr viel Müll war.

Es war nicht: „Wir ziehen in einen leeren Altbau und überlegen dann in Ruhe.“
Es war eher: „Wir ziehen hier in ein Leben ein, das jemand anderes geführt hat, und wir müssen Stück für Stück unseren eigenen Platz darin freilegen.“

Denkmalschutz als Rahmen

Weil der Hof unter Denkmalschutz steht, konnten wir nicht einfach sagen: „Wir reißen raus und fangen neu an.“

Denkmalschutz bedeutet in der Praxis:

  • Bestimmte Bauteile, Materialien und Ansichten sind erhaltenswert.
  • Nicht jede moderne Lösung ist erwünscht oder zulässig.
  • Man muss mit dem Bestand arbeiten, nicht gegen ihn.

Das war zwar okay für uns, wie ich hier aber erzähle, hat es mich wahnsinnig gestresst und unter Druck gesetzt.

Der erste Schritt: Entrümpeln, bevor überhaupt ans Sanieren zu denken war

Bevor es um Grundrisse, Dämmung oder neue Böden ging, stand etwas anderes an: Entmüllung.

Entrümpeln als erste „Sanierungsmaßnahme“

Wir haben angefangen mit:

  • den Ställen
  • den Nebengebäuden
  • dem Wohnhaus

Raum für Raum, Regal für Regal.

Da mit uns auch unsere zwei Ponys auf den Resthof gezogen sind, hatten Offenstall und Scheune für uns Priorität: die Scheune als Lagerstätte für das Heu und der Offenstall als Zuhause für die Pferde. Hiermit durften wir schon beginnen, ehe der Kauf vollständig über die Bühne gegangen war.

An das Haus sind wir erst dann herangetreten.

Diese Vorgehensweise hat es uns ermöglicht, mit jedem leeren Raum ein Stück mehr das Gefühl bekommen: Das ist jetzt unser Ort.

Entrümpeln klingt banal, ist aber gerade bei alten Höfen oft der erste echte Schritt in die Sanierung. Und ehrlich gesagt habe ich das absolut unterschätzt. Ich habe keine Ahnung, wie viele Container Müll und wie viele Kubikmeter Sperrmüll wir in den knapp 5 Jahren bereits entsorgt haben – und noch immer ist Gerümpel da!

Wir haben aber auch nicht alles weggeschmissen. Ein paar Dinge haben wir verkauft und viele Möbel nutzen wir weiterhin, weil sie uns sehr gut gefallen und für uns einfach zum Haus gehören.

Unser Plan war: unten anfangen. Das Haus hatte andere Pläne.

Unser ursprünglicher Plan war sehr „logisch“ gedacht: Wir fangen mit der Sanierung unten im Erdgeschoss an. Entsprechend legten wir Pinnwände bei Pinterest an und füllten sie mit unseren Wohnideen.

Also Erdgeschoss zuerst sanieren, dort wohnen, und dann in Ruhe weitermachen.

Doch uns kam die Realität dazwischen.

Das Dach: schlechter als gedacht

Im Laufe der Bestandsaufnahme hat sich gezeigt: Das Dach war in einem schlechteren Zustand als ursprünglich angenommen.

Und zwar im Sinne von „einsturzgefährdet“. Unser geplanter Ablauf – unten anfangen, oben irgendwann – war damit vom Tisch.

Dachsanierung zuerst, denn Sicherheit geht vor

Statt gemütlich unten neue Böden und Farben zu planen, mussten wir mit der Dachsanierung starten. Ein großer Teil des Sanierungsbudgets floss als erstes ins Dach bzw. ins Obergeschoss, denn im Grunde fand fast ein Totalabriss statt.

Sanierung von oben nach unten

Wenn das Dach und die obere Etage sowieso geöffnet, gesichert oder mitgedacht werden, ist es logisch, auch dort zuerst zu sanieren:

  • Räume unter dem neuen Dach
  • Dämmung / Aufbau sinnvoll kombinieren
  • Leitungen, Anschlüsse, Übergänge gleich mitdenken

Das bedeutet: Während viele über Haussanierung schreiben: „Wir planen von unten nach oben, weil wir uns unten mehr aufhalten“, war es bei uns genau andersrum. Und das ist ein wichtiges Learning: Sanierung folgt nicht deiner Idealvorstellung, sondern der Realität des Hauses.

Erdgeschoss: neue Küche und Kamin als Herzstück

Trotz Fokus auf Dach und Obergeschoss gab es im Untergeschoss zwei Dinge, die wir früh angegangen sind: die Küche und den Kamin.

Neue Küche im Untergeschoss

Die Küche ist in vielen alten Häusern – gerade in ländlichen Regionen wie Niedersachsen – der zentrale Ort: es wird gekocht, geredet, gelebt.

Für uns war klar:

  • Eine funktionierende, halbwegs gut geplante Küche ist wichtiger als perfekte Wände in anderen Räumen.
  • Wir wollten einen Raum, in dem wir uns wohlfühlen – nicht nur Provisorien aus alten Schränken und ollem Fußboden.

Also haben wir im Erdgeschoss die Küche neu gemacht, obwohl wir oben noch lange nicht fertig waren. Aber inmitten von Staub, Kälte und Sanierungschaos tat es zum einen gut, die neue Küche zu planen und zu bestellen und sie dann als erstes fertiges Highlight zu nutzen.

Kamin als Ruhe- und Wärmepunkt

Der zweite große Schritt im Erdgeschoss war der Einbau eines Kamins.

Der Kamin ist für uns:

  • Wärmequelle
  • Treffpunkt
  • Nervensystem-Regulator (Feuer anschauen ist besser als dauernd aufs Handy zu starren)

Eigentlich macht man einen energetische Bestandsaufnahme und saniert entsprechend danach. Das wollte wir auch machen, leider war unser Energieberater aber nicht so schnell wie die Heizung ihren Geist aufgab. Sie konnte zwar notdürftig repariert werden, eine neue Heizung war aber unumgänglich und musste schnell bestellt werden. Die neue Heizung kam daher noch vor dem Start der Dachsanierung.

Weil unser Haus keinen Kamin (mehr) besaß aber zwei Schornsteine hat, haben wir im Rahmen der Heizungserneuerung entschieden, den Kamin direkt mitzuplanen. Wir haben also die Heizung auf den bislang ungenutzten Schornstein verlegen lassen, um den bisher genutzten Schornstein für den Kamin nutzen zu können.

Leider, und das ist ein prägender Punkt unserer gesamten Sanierung gewesen, hatten sehr viele Materialien und Produkte aufgrund des Kriegs in der Ukraine unglaublich lange Lieferzeiten. So auch der Kamin. Wir haben eine gefühlte Ewigkeit warten müssen. Aber er ist seit dem Einbau eins unserer Highlights im noch unsanierten Erdgeschoss.

Pause-Taste: Erst Garten, dann weiter unten sanieren

Nach Dach, Obergeschoss, Küche und Kamin war das Sanierungsbudget ziemlich klar: erschöpft. Statt jetzt krampfhaft die nächsten Baustellen im Erdgeschoss aufzumachen, haben wir etwas getan, das viele kennen: Wir haben bewusst eine Pause eingelegt.

Budget wieder aufbauen

Sanieren in Deutschland – mit Handwerkerkosten, Materialpreisen, Denkmalschutz – ist kein Sprint.

Deswegen haben wir entschieden, dass wir wieder Sanierungsbudget ansparen und dann die nächsten großen Schritte im Erdgeschoss planen.

Das fühlt sich manchmal an, als würde alles ewig dauern. Zumal unten vieles provisorisch und nicht schön ist. Aber abgesehen vom Budget fehlte uns auch einfach die Energie, direkt weiterzumachen. Denn auch das ist etwas, was wir unterschätzt haben: Haussanierung mit sehr viel Eigenleistung ist neben Arbeit, Kind und Alltag ein krasser Kraftakt!

Fokuswechsel: Garten & Outdoor-Projekte

Auch aus diesem Grund haben wir vorerst unseren Fokus verschoben:

  • raus in den Garten,
  • hin zu Outdoorprojekten,
  • zu Dingen, die mit weniger Geld möglich sind – aber mit großer Wirkung auf unser Lebensgefühl
  • und zum Genießen dessen, was wir schon geschafft und geschaffen haben.

Der Garten wurde für uns ein Ausgleichsort: Wenn innen nichts Großes passieren kann,wächst draußen trotzdem etwas weiter. Das nimmt Druck raus – und gibt trotzdem das Gefühl von Entwicklung.

Was unsere Sanierungsreise uns beigebracht hat

Wenn ich heute auf unseren Start in die Haussanierung schaue, würde ich es so zusammenfassen:

  • Du musst keine Erfahrung haben, um anzufangen. Aber du musst bereit sein, zuzuhören – dem Haus, nicht nur dir.
  • Ein denkmalgeschützter Hof folgt anderen Regeln als ein Neubau im Baugebiet. Bestandsliebe und Geduld sind wichtig.
  • Entrümpeln ist Sanierung. Nicht nur für das Gebäude, sondern auch für den Kopf.
  • Das Dach entscheidet mit, in welcher Reihenfolge du sanierst. Manchmal ist es klüger, erst oben zu investieren, bevor du unten Schönes baust.
  • Eine funktionierende Küche und ein Kamin können mehr Alltag retten als jede schicke Fliese.
  • Es ist völlig legitim, zwischendurch den Garten in den Fokus zu nehmen, Budget zu sammeln und das Tempo rauszunehmen.

Unsere Haussanierung ist kein Vorzeigeprojekt. Sie ist ein Prozess. Ein langsames Annähern – an das Haus, an uns, an einen Alltag, in dem Bestand, Natur und Körper zusammenpassen.

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