Baumhaus auf Pfosten bauen

Baumhaus auf Pfosten bauen: So erfüllst du einen Kindertraum

Als feststand, dass wir unseren Resthof kaufen, hat uns unser Sohn sofort gesagt, dass er sich ein Baumhaus wünscht. Wir fanden diese Idee super, haben aber erklärt, dass wir erst im Haus einiges umsetzen müssen, ehe wir Zeit für den Bau eines Baumhauses haben. Irgendwann haben wir uns dann aber rangewagt – und jetzt steht in unserem Garten unter bzw. um unsere alten Eiche herum, tatsächlich ein richtig cooles Baumhaus auf Stelzen. Und falls du auch überlegst, ein Baumhaus zu bauen, zeige ich dir hier, wie wir unser stabiles Baumhaus gebaut und warum wir uns für die Variante mit den Stelzen entschieden haben.

Warum ein Baumhaus auf Pfosten?

Berechtigte Frage. Wenn man an Baumhaus denkt, denkt man in der Regel an ein „echtes” Baumhaus, das direkt am Baum/am Stamm befestigt ist. Aber auch mit Stelzen kann ein Baumhaus ein Baumhaus sein. Finden wir. Und wir uns aus drei guten Gründen für die Stelzenkonstruktion entschieden:

  • Schutz des Baumes. Unsere Eiche ist alt und verzweigt und wirr wollten sie nicht mit massiven Balken und Schrauben malträtieren. Bäume sind Lebewesen und jede Verletzung ist eine Eintrittspforte für Krankheiten.
  • Mehr Stabilität. Mit Betonfundamenten und stabilen Stelzen hast du eine Konstruktion, die nicht von der Gesundheit und dem Wachstum des Baumes abhängt. Bäume bewegen sich, wachsen, verändern sich. Hier erschien uns erschien Pfostenkonstruktion stabiler.
  • Rückbaubarkeit. Irgendwann ist unser Sohn zu groß für ein Baumhaus. Hätten wir es direkt am Baum befestigt, der ja jedes Jahr wächst, würde sich der Rückbau schwierig gestalten – zumindest stellen wir uns das so vor. Ein Stelzenhaus lässt sich dagegen unkomplizierter zurückbauen, ohne dass der Baum in Mitleidenschaft gezogen wird.

Ein Baumhaus bauen: erst die Planung, dann die Umsetzung

Bevor du losgehst und das erforderliche Material einkaufst, solltest du ein bisschen Zeit investieren, um das Baumhaus zu planen. Das erspart dir später ein bisschen Ärger, falls es doch nicht so funktioniert, wie du es dir vorgestellt hast.

Und ein kleiner Hinweis: Ich schreib zwar immer von „wir“, maßgeblich hat aber mein Mann das Baumhaus geplant und gebaut. 🙂

Standort und Baumauswahl

Zuerst brauchst du einen geeigneten Baum. Wir haben zwar einige Bäume bei uns, die große dicke Eiche erschien uns hierfür aber am besten geeignet. Da sie recht verzweigt ist, mussten wir ein bisschen tüfteln, wie wir das das Baumhaus am besten integrieren können. Am Ende haben wir das Baumhaus so geplant, dass der Stamm unserer Eiche einfach durch die Mitte des Baumhauses geht und die Äste haben wir mit den Fenster kombiniert.

Ein par Tipps für die Planung:

  • Ausreichend Abstand zwischen Stelzen und Baumstamm – wegen der Stabilität, vor allem aber wegen der Wurzeln des Baumes
  • Beschädige beim Ausheben der Fundamente keine Wurzeln (die sind heilig!)
  • Lass genug Platz für die Krone – die Äste sollten sich auch mit Laub bei Sturm frei bewegen können

Größe und Höhe festlegen

Unser Baumhaus ist ca. 3×3 Meter groß und die Plattform liegt in rund 2,50 Meter Höhe. Wir fanden das hoch genug für Abenteuer-Feeling aber niedrig genug, dass ich unser Kind allein dort spielen lassen kann, ohne ständig Notfallszenarien im Kopf zu haben, wenn die Baumäste zum Klettern genutzt werden…

Tipp: Denk in realistischen Dimensionen. Größer ist nicht immer besser – es ist vor allem teurer, aufwendiger und windanfälliger.

Je nachdem, wie du dein Baumhaus bauen möchtest, ob mit Wänden und/oder Dach oder nur mit einem Geländer, brauchst du entsprechend andere Holz-/Pfostenlängen.

Brauche ich eine Baugenehmigung für ein Baumhaus?

Ehrliche Antwort: Ich habe keine Ahnung, ich bin nicht das Bauamt. 😉

Wir haben keine Baugenehmigung gestellt, weil das Baumhaus nicht so groß ist. Wikipedia sagt aber, dass professionelle oder feste Baumhäuser als bauliche Anlagen gelten und entsprechend genehmigungspflichtig sein können. Hier ist aber jedes Bundesland anders… Ob du eine Baugenehmigung brauchst, hängt also von der Größe des Baumhauses und deinem Bundesland ab. Im Zweifelsfall einmal vorab beim Amt informieren. Ich denke aber, dass kleine Spielbaumhäuser eigentlich kein Genehmigungsverfahren brauchen…

Material und Werkzeug: Das haben wir gebraucht

Die folgende Übersicht zeigt dir, was wir für unser Baumhaus genutzt haben. Eventuell war noch etwas mehr dabei, das ich hier vergesse. Aber ich denke, das ist nicht schlimm, sie soll einfach nur der Orientierung dienen.

Für die Fundamente:

  • Beton (wir haben Fertigbeton genommen – 4 Säcke à 40 kg pro Fundament)
  • Pfostenträger aus verzinktem Stahl (H-Anker)

Für die (Grund-)Konstruktion:

  • 4 kesseldruckimprägnierte Holzpfosten 12×12 cm, je nach Bauart. Unsere sind 4 m lang, weil sie durchgehen bis hoch zum Dach.
  • Balken für die Rahmenkonstruktion 8×16 cm
  • je nach Bauart deines Baumhauses OSB-Platten oder stabile Bretter für den Boden (min. 20 mm dick, wir haben Terrassendielen genommen) und die Wände
  • evtl Wellplatten fürs Dach – unsere sind aus durchsichtigem PVC
  • evtl. Scharniere und Riegel für Türen
  • Schrauben, Schrauben und noch mehr Schrauben und verschiedenen Größen
  • Winkelverbinder
  • Holzlasur

Werkzeug:

  • Akkuschrauber
  • Handkreissäge oder Kappsäge
  • Stichsäge
  • Bohrmaschine
  • Wasserwaage und Zollstock
  • Spaten

Baumhaus bauen: unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung

Im Folgenden verrate ich dir, wie WIR das Baumhaus mit den Pfosten gebaut haben. Wir sind keine Profis und es kann sein, dass diese Anleitung für dich nicht passt. Aber sie gibt dir eine Orientierung und du kannst sie anpassen und für dich individualisieren.

Schritt 1: Fundamente setzen

Im ersten Schritt haben wir die Fundamente gesetzt. Das erste Fundament haben wir nach Augenmaß gesetzt und die anderen haben wir dann daran ausgerichtet.

  1. Positionen markieren: Wir haben vier Punkte im Quadrat markiert, mit genug Abstand zum Baumstamm. Miss hierbei am besten diagonal – beide Diagonalen müssen exakt gleich lang sein.
  2. Löcher buddeln: Du brauchst ca. 30x30x60 cm für die H-Anker.
  3. Beton anrühren und einfüllen: H-Anker direkt einsetzen, solange der Beton noch nass ist. Mit der Wasserwage und einer Schnur musst du die vier Ankerhülsen auf gleiche Höhe ausrichten oder du passt einfach die Pfosten später in der Höhe an.
  4. Aushärten lassen: Der Beton sollte anschließend mindestens 48 Stunden aushärten.

Schritt 2: Pfosten montieren

Sobald der Beton ausgehärtet ist, kannst du mit den Pfosten loslegen. Wenn du magst, streich sie vorab noch mit Holzlasur, um sie vor den Witterungsbedingungen zu schützen.

  1. Pfosten zuschneiden (optional): Alle Pfosten exakt gleich lang zusägen oder später im Bauprozess anhand des Höhenausgleichs anpassen.
  2. Einsetzen, ausrichten und verschrauben: Richte die Pfosten mit Lot und Wasserwaage senkrecht aus. Um die Pfosten in den Ankern zu befestigen, solltest du auf stabile Schrauben setzen, du kannst auch Durchsteckschrauben nehmen. Wichtig hierbei: Damit das Holz keine Feuchtigkeit vom Boden zieht, sollte zwischen Pfosten und Boden ein Abstand von ca. 5 cm sein.
  3. Provisorische Verstrebungen: Wenn du diagonale Latten anschraubst, verbesserst du die Stabilität, damit im weiteren Bauprozess nichts kippt.

Schritt 3: Rahmenkonstruktion für die Plattform

Sobald die Pfosten stehen, geht es an die Rahmenkonstruktion für die Plattform. Hier ist entscheidend, wie dein Baumhaus aussehen soll. Unsere Pfosten gehen durch bis zum Dach und waren Grundlage für unsere Wände. Du kannst die Pfosten aber auch in der Höhe anpassen und darauf die Plattform setzen.

Ich find es schwer in Worte zu fassen, was genau wir gemacht haben. Deswegen schau dir am besten die einzelnen Punkte auf den Bildern an. Dann weißt du sicherlich, was beschrieben wird.

  1. Untere Querbalken: Verbinde die Pfosten horizontal auf der gewünschten Höhe. Du kannst hierfür Balkenschuhe und lange Schrauben nutzen, wir haben auf die Balkenschuhe verzichtet aber Winkelverbinder genutzt.
  2. Diagonale Querstreben (optional): Um den äußeren Rahmen zu stabilisieren haben wir noch diagonale „Querstreben“ aus den Balken zugesagt und angeschraubt.
  3. Zwischenbalken: Um der Bodenplatte/der Plattform ein stabiles Fundament zu geben, haben wir weitere Querbalken eingebaut (etwa alle 50/60 cm).

Schritt 4: Bodenplatte verlegen

Ab jetzt sieht es endlich nach etwas aus! Unser Baumhaus hat den Baumstamm einmal mittig durchgehen. Das muss bei dir aber natürlich nicht so sein. Je nachdem kannst du mit Latten oder OSB-Platten arbeiten. Hier ist unser Bauplan.

  1. OSB-Platten oder Holzlatten zuschneiden: Je nachdem, wie dein Baumhaus aussieht und gebaut wird, nimmst du OSB-Platten oder Latten. Wir haben, wie schon gesagt, Holzlatten genommen und diese direkt beim Bauen am Baum entsprechend der Öffnung mit einer Stichsäge zugesägt. Baust du dein Haus aber neben den Stamm, kannst du auch mit OSB-Platten arbeiten, die auf die entsprechende Größe zugesägt werden.
  2. Verschrauben: Überall dort, wo Holzlatten auf Querbalken treffen, kommt eine Schraube rein.

Damit ist im Grunde das Grundgerüst fertig und das Baumhaus ist als solches erkennbar.

Schritt 5: Wände und Dach (optional, aber sinnvoll)

Ob du Wände und Dach bauen willst oder ob dein Baumhaus eher ein Baumbalkon sein soll, musst du entscheiden. Wir haben aus Sicherheitsgründen und für die Privatsphäre unseres Sohnes direkt auch Wände gebaut, das Dach kam etwas später.

Mindestens ein Geländer ist Pflicht! Hier empfiehlt sich eine Höhe angepasst an die Größe der Kinder…

Ob Wände oder Geländer, du kannst zwischen jeweils zwei Pfosten Querlatten in der entsprechenden Höhe anbringen und daran dann Bretter verschrauben. Wir haben in diesem Schritt auch direkt die Fenster eingeplant und diese nicht nachträglich ausgesät. Wir haben einfach die entsprechenden Brettere vor der Montage kürzer zugesägt und am Ende nochmal korrigiert, wenn die Länge nicht ganz korrekt war.

Beachte, dass du, wenn du ein Dach baust, eine leichte Schräge einplanen musst, damit das Regenwasser ablaufen kann. Entsprechend dieses Gefälle haben wir abschließend unsere Pfosten oben zugesägt.

Nachdem alles fertig war (Wände mit Fenstern und Boden), haben wir das Dach gebaut allerdings erst eine ganze Weile später, weil zuerst die Baumkrone als Dach ausreichend war. Hierfür haben wir ca. alle 40-50 cm Latten angeschraubt und auf diese ein durchsichtiges PVC-Welldach montiert. Dann waren wir erstmal fertig mit dem Baumgaus.

optional: Treppe und Tür

Eigentlich wollte unser Sohn nur eine Strickleiter nutzen, die er hochziehen kann, wenn er im Baumhaus ist. Das Problem war hierbei aber, dass es super schwierig ist, eine hängende Leiter ohne Stabilisierung hochzuklettern. Deswegen stand eine ganze Weile eine normale Leiter am Eingang, was aber natürlich keine dauerhafte Lösung ist.

Aus diesem Grund haben wir nachträglich noch aus Holzresten anderer Projekte eine feste Treppe gebaut. Für uns funktioniert die Treppe so gut, wenn dein Kind noch kleiner ist oder du es gern sicherer hättest, solltest du ein Treppengeländer ergänzen.

Außerdem wollte unser Sohn gern noch eine Tür haben. Wir haben ihm nachträglich eine zweigeteilte Tür gebaut.

Auch Fensterbänke und einige Vogelhäuschen sind nach und nach dazugekommen.

Diese Projekte habe ich leider nicht festgehalten, sodass ich nur Bilder vom fertigen Zustand zeigen kann.

Die Kosten: Was kostet ein Baumhaus?

Was wir anfangs unterschätzt haben waren die Kosten eines solchen Baumhauses. Am Ende sind die Kosten immer abhängig von deinem Material und davon, was du anschaffen musst oder vielleicht da hast und erneut verwenden/weiterverarbeiten kannst. Unser Baumhaus hat mit Wänden und Dach rund 700 Euro gekostet, wobei das Holz den mit Abstand größten Posten ausgemacht hat.

Du kannst sparen, wenn du geschickt einkaufst (Baumarkt-Angebote!), Reste verwertest und bereits Werkzeug hast. Wetterbeständiges Holz hat aber seinen Preis.

Unser Baumhaus ist heute, wo ich den Text schreibe, zwei Jahre alt und bis auf die witterungsbedingte Farbveränderung des Holzes, den normalen „Grünspan“ auf dem Dach und dem Schmutz, der durch die Nutzung entsteht, ist es nach wie vor in einem top Zustand und ich bin sicher, dass es ein paar Jahrzehnte stabil sein wird. Somit hat sich der Preis auf lange Sicht definitiv gelohnt!

Fehler, die du vermeiden solltest

  • Zu schwache Dimensionierung. Holz ist teuer, ja. Aber ein Baumhaus, das nach zwei Jahren durchhängt, ist teurer. Nimm also lieber eine Nummer stärker, statt zweimal zu zahlen.
  • Dem Baum zu wenig Platz geben. Der Stammdurchmesser mit den Jahren nimmt zu und der Wind bewegt den Baum ebenfalls. Plane daher ausreichend Luft ein.
  • Sicherheit unterschätzen. Geländer sind nicht optional. Auch nicht “nur für kurze Zeit”. Kinder sind kreativ im Fallen-Finden.
  • Billige Schrauben. Verzinkte oder Edelstahlschrauben kosten mehr, aber rosten nicht. Rostende Schrauben = instabile Konstruktion. Deswegen verwende hochwertige Schrauben, auch wenn sie teurer sind.

Mein Fazit: Lohnt sich der Aufwand, ein Baumhaus selber zu bauen?

Kurze Antwort: Absolut. Und wenn du die Bilder siehst, kannst du das sicherlich nachvollziehen. 🙂

Ein Baumhaus auf Stelzen ist die perfekte Lösung, wenn du deinem Baum nicht schaden willst, aber trotzdem ein stabiles, langlebiges Projekt suchst. Die Betonfundamente machen es solide, die Pfosten flexibel in der Positionierung, und der Baum bleibt gesund.

Ich wünsche dir Erfolg bei deinem Projekt! Und wenn du zwischendrin fluchst, weil die Wasserwaage zum vierten Mal runtergefallen ist: Das gehört dazu. Das ist der Charme von DIY.

Hast du Fragen zum Bau? Dann schreib mir gern einen Kommentar oder eine PN auf Instagram.

P.S.: Falls du überlegst, das Projekt anzugehen – mach Fotos. Jede Menge Fotos. Nicht nur für Instagram, sondern weil du bei Schritt 47 vergessen haben wirst, wie du Schritt 3 genau gemacht hast. Vertrau mir.

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